Und in den Nächten in Kälte und Hunger in denen sogar der Schlaf mich mied Dachte ich, träumte mit offenen Augen. Ich sah meine Finger auf den Klaviertasten und spielte und spielte bis zum Morgen Und mit dem Morgen kam weiteres Leiden das Eis über den Wassereimern zu brechen Und sich damit zu waschen. Dann darauf waren wir sehr bedacht Denn Schmutz brachte Läuse und die Läuse brachten Krankheit Die Laus war das Gefürchteste in unserem Leben Denn sie übertrug die Krankheit von der viele starben und wenige überlebten
Viele Jahre nachher nach einer Fernsehsendung Rief mich ein Mann an und erzählte: Eines Morgens erwachte er im Lager von der Krankheit und alle um ihn Waren tot. Er ging aus seiner Behausung Alle liefen ihm davon, denn er war nicht gekämmt Und sie fürchteten seine Läuse.
Er war schwach und setzte sich auf den Boden und weinte in Verzweiflung Und ein Mädchen kam auf ihn zu und fragte ihn warum er weine Er erzählte ihr und sagte ihr, “und jetzt will niemand mit mir sprechen“. Und das Mädchen sagte, “aber ich spreche doch mit Dir“ und lächelte. Und als er mich im Fernsehen sah erkannte er das Lächeln.Und plötzlich erinnerte auch ich mich des Zorns meines Vaters Als er mich mit dem verlausten Jungen sah. Und als ich nicht vom Jungen weggehen wollte weil ich seine Verzweiflung spürte Gab er mir eine Ohrfeige die einzige die er mir je gab.
Und trotz der schmerzenden Erinnerung freute es mich daß ich Jenem verzweifelten Kind geholfen hatte, der, mit seinen Worten, „Kraft von einem Lächeln bekam“.
Doch mit dieser Freude kam auch das Schuldgefühl Gegenüber denen ich nicht gelächelt habe. Denen auch das Leben nicht zugelächelt hat Und sie starben von Hunger und Not Warum starben sie und ich nicht? Worin waren sie schlecht und ich gut? Bin ich schuldig daß ich am Leben war? Und sie nicht?
Viele Jahre später, während des Yom Kippur Krieges, Kam ich in einen Saal im Krankenhaus in dem Verwundete lagen Man bat mich mich um einen jungen Mann zu kümmern Der seit 3 Tagen mit weitaufgerissenen Augen Da lag und auf nichts reagierte. Die Information über ihn war daß er der einzige überlebende Eines getroffenen Tanks war. Ich suchte nach Worten, Was ihm zu sagen, streichelte seine Hand.Und fragte mich was ich für ihn tun könnte Vom Kopf kam keine Antwort aber aus meinem tiefsten Innern kamen die Worte: Du fühlst Dich schuldig Daß Du lebst und Deine Freunde sterben mußten.
Er wandte seinen Kopf und fragte: “Wie weißt Du es?” “Weil auch ich mich schuldig fühle” daß meine Freunde in Der Shoah umkamen und ich überlebt habe Er drückte mir die Hand… Und ich verstand plötzlich daß mein Leiden einen Sinn bekom-men hat Daß ich mit meinem Leiden diesem jungen Mann helfen konnte.
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