Rational und Grundprinzipien
in der Erziehung begabter Kinder
In unserer konformistischen Gesellschaft bestehen einige rigide Konzepte über Zeitpunkt und Inhalt der Eigenschaften, die in Kindern gefördert und ihnen zum Anreiz gestellt werden sollen, ohne hinsichtlich der Fähigkeiten unterschiedlicher Kinder zu unterscheiden. Fähigkeiten schaffen Bedürfnisse. Daher sind die Bedürfnisse mancher Kinder andersartig Bedürfnisse als die anderer Kinder.
Die Bedürfnisse talentierter, seelisch reifer, intelligenter Kinder unterscheiden sich von denen anderer Kinder und die Anreize, um diese zu aktualisieren sollten daher ebenfalls andere sein. Jedes Talent oder jede Begabung müssen zunächst durch einen Anreiz geweckt und dann gepflegt werden, ähnlich wie Pflanzen, die zur Blühte gebracht werden sollen.
Das talentierteste Kind benötigt den Ansporn und eine passende Stimulisierung durch seine Umgebung, um sein Potential ausleben zu können, genau so wie jedes gewöhnliche Kind auch, vielleicht sogar noch mehr.
Wenn solch ein Kind nicht die adäquate Unterstützung findet (in Hinsicht auf Zeitpunkt und Inhalt), kann es geschehen, dass sich das Kind zurückzieht, ja seine Begabung sogar bekämpft, die es zu wissenschaftlichen Entdeckungen, künstlerischer Kreativität, kreativer Führungskraft oder selbsterfüllender glücklicher Persönlichkeit befähigt hätte. Die Gesellschaft als Ganze wiederum verliert durch solch ignorante Haltung ihren begabten Kindern gegenüber die kreativen Führungskräfte von morgen in Wissenschaften, Kunst und Politik und tauscht sie gegen frustrierte Aussteiger aus, die die Schule nicht bewältigen können, und sich aus jeder Gemeinschaft und dem öffentlichen Leben ausschließen, manchmal sogar das Leben als solches ablehnen.
Besondere Begabung kann auch für Zwecke genutzt werden, die sich gegen das Wohl der Gesellschaft richten. So könnte das Talent für die „falschen“ Ziele eingesetzt werden. Die Pflege von begabten Kindern birgt einen wichtigen prophylaktischen Aspekt in sich. Sie bietet eine positiven Anreiz für Kinder, die potentiell destruktive Einflüsse aus ihrer Umgebung absorbieren könnten, damit sie ihre Intelligenz oder ihre Talente für konstruktive soziale oder individuelle Ziele nutzen lernen.
Das begabte Kind wird versuchen, wenn ihm sein Potential nicht bewusst gemacht wird, so zu werden wie alle anderen, was nichts Schlechtes per se ist, außer man bedenkt den extrem hohen Preis, der dafür gezahlt werden muss: Die kreative Selbstverwirklichung der Talente wird aufgegeben. Dieser Preis ist weitaus höher als ihn sich das Kind oder die Gesellschaft leisten können.
Das begabte Kind von heute wird hoffentlich eine der Führungskräfte von morgen sein. Ihm muss die Gelegenheit gegeben werden, sich seines Potentials bewusst zu werden. Ihm müssen Anreize geboten werden, durch die es seine Talente entwickeln kann und es muss die Verantwortung für seine Handlungen übernehmen lernen und in die Gesellschaft einbezogen werden und anstreben, sich in ihr selbst zu verwirklichen, sein Potential sowohl zum eigenen Wohl als auch dem der Gesellschaft zu nutzen.
Das Wissen von heute auf kreative Weise in Wissenschaft und Technologie zu nutzen, sollte als Mittel und Weg angesehen werden, die Zukunft zu gestalten und nicht als Ziel an sich.
Wir können unseren Kindern nicht das Wissen der Zukunft geben; aber wir können ihnen die Instrumente in die Hand legen, damit sie die in Zukunft an sie gestellten Aufgaben bewältigen können. So können wir nicht nur die persönliche Zukunft eines begabten Kindes vorbereiten, sondern auch die der Gesellschaft.
Das „Institut für die Förderung von Kreativität und Vortrefflichkeit junger Menschen“ wurde vor über dreißig Jahren in Form einer uneigennützige Gesellschaft gegründet, um talentierten und begabten Kindern zu helfen, sich mit den Problemen einer Gesellschaft auseinanderzusetzen, die Schwierigkeiten damit hat, Menschen zu akzeptieren, die sich ihr nicht „konform“ zeigen können: also auch mit Kindern, die mehr Fragen als andere stellen und die leicht gelangweilt sind, weil sie Dinge leicht und schnell begreifen.
Das Ziel unserer Arbeit lag zunächst darin, ihren Wissensdurst zu befriedigen, kreativ zu sein, zugehörig zu sein und akzeptiert zu werden. Mit anderen Worten, das Kind so zu akzeptieren, wie es sein kann und es nicht zu zwingen so zu sein, wie es sein soll. Weitere Ziele lagen darin, manifestierte und latente Begabungen in Kindern zu entdecken, dem begabten Kind zu helfen, seine intellektuellen, emotionalen und sozialen Bedüfnisse und Fähigkeiten zu erkennen und weiterzuentwickeln. Dies geschieht durch die Herausforderung ihres Intellekts, ihrer Emotionen und ihres sozialen Potentials im Verlauf von Workshops (70-80 pro Semester) über Themenbereiche in den exakten Wissenschaften, den Human- und Sozialwissenschaften und in der Kunst.
Eine andere, nicht minder wichtige Aufgabe unserer Arbeit lag in der Beteiligung der begabten Kinder in die gegenwärtigen Problembereiche unserer Gesellschaft und die Optionen zu ihrer Lösung; auch die Herausforderung und Festigung der gesamten Personlichkeit dieser Kinder, um sie auf diese Weise auf ihre aktive Beteiligung am Leben in der Zukunft vorzubereiten und zwar als kreative, begabte, engagierte und verantwortliche Erwachsene.
Durch den Unterricht und die Herausforderung der begabten Kinder von heute bereiten wir sie nicht darauf vor, auf die Handlungen von Entscheidungsträgern zu reagieren, sondern stellen ihnen, hoffentlich, die Mittel bereit, mit deren Hilfe sie handeln und ihrerseits Entscheidungen treffen können, die zu ihrem eigenen Wohl und für eine kreative Zukunft in Israel führen.
Israel ist für mich nicht nur ein Land, in dem man lebt. Da ich ein Kind des Holocaust bin hat mir Israel das Recht auf meine Existenz zurückgegeben, das Recht als menschliches Wesen zu existieren und das Privileg, in diesem Staat als Bürger engagiert mitzuwirken. Ich empfinde es als meine Pflicht, den begabten Kindern in ihrem Bemühen zu helfen, ihr Potential zu ihrem eigenen Wohl und dem der Gesellschaft zu aktualisieren.
über 35.000 begabte Kinder haben unser Programm absolviert. Aus den Follow-Up-Untersuchungen über all diejenigen, die an unseren Bereicherungs-kursen vor 20-25 Jahren teilgenommen haben, wissen wir, dass viele von ihnen nicht nur ihrem eigenen Potential entsprechend gelebt haben, sondern besondere Anerkennung in ihrem jeweiligen Spezialgebiet erreicht haben (Wissenschaften, Technologie, Militär,etc.), meist in sehr viel jüngerem Alter als ihre Kollegen.
Ich war besonders stolz, vier von ihnen als neue Mitglieder in unserem Direktorium vorstellen zu dürfen: einer ist ein Mathematiker, ein junger Professor, der im Alter von noch nicht 30 Jahren weltweite Anerkennung in seinem Fachbereich genießt. Die andere ist eine junge Psychiaterin (32), die den Ruf einer international anerkannten Expertin im Bereich des ADHD (Attendence Deficiency and Hyperactivity Disorders) genießt, also einem für uns besonders wichtigen Bereich, da viele besonders begabte Kinder unter den Symptomen von ADHD leiden. Sie war vor nicht langer Zeit die jüngste ärztin Israels und hatte die Doktorwürde bereits mit 23 Jahren erlangt.
Ein weiterer hervorragender junger Mediziner, der außerdem ein Studium in Computerwissenschaften abgeschlossen und ein Buch geschrieben hat, hat ein Computerprogramm für „gut informierte Patienten und ärzte“ entwickelt –nicht nur die Diagnose, sondern die verschiedenen Moglichkeiten der Behandlung. Weiterhin ein junger Astronom, der bereits im Verlauf seines Studiums, einen neuen Asteroiden am Firmament entdeckt hat, sowie einer der führenden Wissenschaftler in einer der wichtigsten Abteilungen unserer Verteidigungskräfte ist.
Wir sind besonders stolz auf die Tatsache, dass 40% unserer Lehrer ehemalige Schüler unseres Instituts sind. Viele unserer ehemaligen Schüler bringen heute ihre Kinder zu unseren Kursen, damit sie ebenfalls an ihnen teilnehmen können, eine Tatsache also, die für sich spricht.
Unser Institut auf dem Campus der Tel-Aviv-Universität arbeitet heute mit ungefähr 800 begabten Kindern pro Semester. Zusätzlich betreuen wir jährlich ungefähr 250-300 Kinder
aus den kulturell unterentwickelten Gegenden außerhalb Tel-Avivs. Wir stellen ihnen die Herausforderungen durch Workshops in folgenden Bereichen zur Verfügung:
- Kreatives Denken
- Wissenschaftliches Denken
- Soziales Denken
Wir beginnen dieses Programm regelmäßig mit der Einführung in kreatives Denken, durch das die Welt der Konzepte eine Erweiterung erfährt, intellektuell, emotionell und in ihrer Art, Dinge zu sehen, Dinge aus verschiedenen Aspekten zu betrachten und die Wege der Kommunikation zu verbessern, sowohl untereinander als auch im Austausch mit anderen.
Auf dieser Basis können wir diese Kinder auf ihren Weg hinaus in die Welt der Wissenschaften führen. Anfangs vermitteln wir ihnen das wissenschaftliche Verständnis für die Phänomene des täglichen Lebens, später gelangen sie in die entfernteren Gebiete ihres Seins.
Wir fordern sie außerdem zu sozialer Interaktion heraus, zu persönlicher Verantwortlichkeit innerhalb der Gesellschaft und zur Bewusstwerdung ihrer Fähigkeit zu denken, Probleme zu lösen, Entscheidungen zu treffen, andere zu beeinflussen und ihre Umgebung zu verändern und zu verbessern .
In einer der von uns durchgeführten Untersuchungen über den Einfluss unseres Begabtenförderungsprogramms für Kinder in den Stadtteilen der Unterprivilegierten, konnten wir erkennen, dass sich ein deutlicher Anstieg in der Intelligenz aller Teilnehmer abzeichnete; Mädchen, die zu Beginn des Programmes in ihren Intelligenztestergebnissen deutlich niedriger als Jungen abschnitten, erreichten das Niveau der Jungen in den Follow-Up-Tests bald und übertrafen dann diese in den durchschnittlichen Ergebnissen sogar. Diese Resultate sind für uns von besonderer Relevanz, da die jungen Mädchen von heute die Mütter von morgen sein werden.
Unsere Arbeit in den kulturell unterprivilegierten Vorstädten begannen wir 1973. Das Feedback weist auf, dass unsere Arbeit zu guter und sehr dankbarer Resonanz seitens der Teilnehmer führte, aber auch seitens der Institutionen, mit denen wir zusammen gearbeitet haben. Wir hatten das Glück, von verschiedenen Seiten durch Sponsoren Spenden zu erhalten die uns ermöglichten, jährlich in 10-12 Vorstädten aktiv unsere Arbeit zu leisten…
Leider haben sich die Spenden dieses Jahr so sehr reduziert, dass wir diese Aktivitäten einschränken mussten.
Nach dreißigjähriger Arbeit konnen wir stolz auf unsere ehemaligen Studenten blicken, die heute Doktoren, Kunstler, Professoren, hohe Offiziere etc. sind und diese Positionen meist sehr viel früher als iher Kollegen erreicht haben.
Unsere Arbeit mit Kindern, ihren Eltern, neuerdings auch ihren Großeltern und ihren Lehrern stellt immer wieder extreme Herausforderungen, ist aber auch sehr befriedigend. Mit der Zukunftsvision dass diese begabten Kinder eine bessere Welt als die unsere erschaffen werden.
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Seminar: Kreatives Denken
Das Seminar für kreatives Denken hat sich zum Ziel gesetzt, die Kreativität von Eltern und Lehrern zu fördern, damit diese ihrerseits die Entwicklung der potentiellen Kreativität ihrer Kinder, Schüler und Studenten ermöglichen.
Im formalen Erziehungswesen wird nach wie vor das Schwergewicht auf Intelligenz, d.h. das Ansammeln von Wissen in fixen, engen Disziplinen gelegt. Zu selbständigem Denken, zur richtigen Fragestellung, zur Suche nach den verschiednen interdisziplinären Antworten wird nicht erzogen. Auf das Wagnis, in nicht herkömmlichen Begriffen zu denken, wird nicht eingegangen. Neugierde, die jedem Individuum gegeben ist, wird unterdrückt, konformes Denken gefördert und Originalität blockiert
Besonders traurig jedoch erscheint mir die Folgeerscheinung dieser Erziehung, die sich mit dem Ansammeln von Wissen begnügt und die darin besteht, das Individuum eigentlich für die Vergangenheit vorzubereiten. Die Mittel, sich kreativ mit den Problemen der Zukunft zu befassen, werden ihm nicht zur Verfügung gestellt.
In unserer sich ständig verändernden Welt häuft sich das Wissen bis ins Unüberschaubare, wodurch die Lehrer belastet und oft verführt werden, Wissen lediglich zu übertragen. Dadurch wird der Denkansatz, wie sich dieses Wissen selbständig sammeln ließe und wie über dieses Wissen nachgedacht werden könnte, vernachlässigt, sodass die Schüler für ihre Zukunft als Erwachsene unvorbereitet bleiben.
Wir können die Zukunft nicht unterrichten, aber wir können unsere Schüler kreativ denken lehren. Wir können ihnen interdisziplinäres, selbständiges, sozial- und zukunftorientiertes Denken beibringen, das durch eine Atmosphäre von Freiheit und Sicherheit gewährleistet wird, die wiederum kreatives Denken erlaubt und die Einzigartigkeit fördert, durch die der Schüler eigene Kreativität hervorbringen kann.
Da die Kreativitätsforschung aus der Kritik an der bisher üblichen Intelligenzmessung hervorgegangen ist, hat man diese zwei Begriffe als Gegensätze und nicht als einander ergänzend aufgefasst. Kreativität ist aus meiner Sicht eine Ergänzung der Intelligenz. In der Hierarchie der menschlichen Fähigkeiten ist sie die höchse Stufe der Intelligenz.
Intelligenz wird als die Fähigkeit definiert, Informationen zu sammeln und sie in verschienen Situationen zu gebrauchen. Kreativität baut auf dieser Fähigkeit auf, erweitert sie jedoch durch neu geknüpfte Beziehungen zwischen den Informationen.
Intelligenz sucht die Antworten im Gelernten, in der engen Kategorie, aus der das Problem stammt, bedient sich konvergenten Denkens, um zur „richtigen“ (vorher bekannten) Antwort zu finden. Kreativität benutzt divergentes Denken, strebt auf mehrere Antworten hin, holt sie aus weiteren, verschiedenen Wissensbereichen hervor. Diese interdisziplinären Antworten können nicht immer „richtig“ sein, da das Neue in derartigen Antworten keine vorher bekannten Bezugsrahmen hat. Diese kreativen Antworten werden „gut“ sein, wenn sie neu sind, relevant sind (dem Problem adäquat) und unseren Erfahrungs- und Wissenskreis erweitern.
Intelligenz ermöglicht die Anpassung des Gelernten an verschiedene Situationen. Kreativität begnügt sich nicht mit angepasstem Wissen. Sie ist Aktualisierung und Verwirklichung der potentiellen Möglichkeiten, bleibt aber der Situation entsprechend.
Unsere Jugendlichen sind der wertvollste Schatz, den jedes Volk und jedes Land besitzt. Daher ist es besonders wichtig, dieser Jugend die Möglichkeit zu bieten, das in ihr enthaltene Potential zu enthüllen und zu entwickeln, im eigenen Interesse, wie auch in dem der Gesellschaft.
Das Seminar über kreatives Denken soll die Einsicht in den kreativen Zugang zur Existenz ermöglichen, weshalb die Teilnehmer nicht nur ihren Intellekt, sondern ihre ganze Persönlichkeit mit einbringen sollten.
Das Programm ist für 5 Tage geplant, mit 3 Sitzungen pro Tag (einschließlich abends). Es kann aber auch auf zwei-einhalb Tage konzentriert abgehalten werden.
Contact email: erica@ypipce.org.il